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Cyndia Hartke: “Die Grummelhummel – Mission Moor”

Cyndia Hartke (Autorin & Illustratorin)
AlibriVerlag
Lesealter: ab 6 Jahre
32 Seiten
Gebundenes Buch: 16,00 €

Die Grummelhummel ist grummelig, denn sie hat riesigen Hunger. Warum findet sie keine Glockenblumen – ihre absolute Leibspeise – mehr? Mit ihren Freunden – Regenwurm Wim, Feuerwanze Ferdi, Spinne Spidi und Ameise Anz – begibt sie sich auf eine Reise in ein mysteriöses Moor. Dort stellen sie fest, dass sie nicht die einzigen sind, die vor ganz neue Probleme gestellt sind. Denn auch hier ist nichts mehr so, wie es mal war. Das Moor droht sogar auszutrocknen! Auf ihrer Mission Moor lernen sie, dass auch Winzlinge Großes erreichen können, wenn alle ihre Superkräfte einsetzen und dass es meist möglich ist, Lösungen zu finden, auch wenn alles erst einmal nicht gut aussieht. Probleme lösen und Dinge verändern kann sogar richtig Spaß machen. (Klappentext)

Von Hunger, Freundschaft und einem Moor in Gefahr

Die Grummelhummel hat einen dieser Tage, an denen einfach alles nervt. Vor allem der leere Magen. Ihre geliebten Glockenblumen sind verschwunden! Wenn das kein Grund für schlechte Laune ist. Aus diesem sehr nachvollziehbaren Ausgangspunkt entwickelt sich in Die Grummelhummel: Mission Moor eine Geschichte, die überraschend viel Tiefe mitbringt.

Mir ist direkt aufgefallen, dass die Grummelhummel hier genau das sein darf, was ihr Name verspricht: mürrisch, grummelig und ziemlich genervt. Das wirkt angenehm ehrlich. Sie wird nicht sofort gebremst, belehrt oder ausgegrenzt, sondern bekommt den Raum, um ihre Gefühle herauszulassen. Das ist doch mal eine schöne Einstellung. Nicht jede Geschichte muss mit guter Laune beginnen.

Auf der Suche nach Futter macht sich die Grummelhummel gemeinsam mit ihren Freunden auf den Weg ins Moor. Regenwurm, Feuerwanze, Spinne und Ameise begleiten sie, jede Figur mit eigenen Stärken und Eigenheiten. Niemand drängt sich in den Vordergrund, niemand ist nur Beiwerk. Das Zusammenspiel fühlt sich natürlich an, wie eine Gruppe, die sich ergänzt.

Im Moor wird schnell klar, dass dort etwas nicht stimmt. Pflanzen verschwinden, Lebensräume verändern sich und die kleinen Tiere merken, dass sie nicht die Einzigen sind, die Probleme haben. Das Thema Naturschutz wird hier schön gezeigt. Kinder erleben, dass sich etwas verändert hat und dass das Folgen hat – für alle.

Die Geschichte bleibt dabei ruhig erzählt. Sie setzt nicht auf große Dramatik, sondern auf Beobachtungen, Gespräche und gemeinsames Nachdenken. Lösungen entstehen nach und nach und oft gemeinsam. Das vermittelt ein gutes Gefühl von Zusammenhalt, ohne erhobenen Zeigefinger.

Die Sprache ist gut vorlesbar und klar strukturiert. Reime und rhythmische Passagen sorgen für Abwechslung. Die Illustrationen unterstützen die Stimmung sehr schön. Sie sind detailreich, aber nicht überladen, und fangen das Moor als besonderen Ort gut ein: ein bisschen geheimnisvoll, lebendig und stellenweise auch unheimlich, natürlich ohne Angst zu verbreiten. Text und Bild greifen gut ineinander.

Am Ende bleibt ein Bilderbuch, das Themen wie Umwelt, Veränderung und Zusammenarbeit kindgerecht vermittelt. Die Grummelhummel: Mission Moor erzählt davon, dass auch kleine Wesen etwas bewegen können und dass man Probleme nicht allein lösen muss. Eine Geschichte mit Herz, Humor und einer Botschaft, die nicht erklärt, sondern erlebt wird.

Vielen lieben Dank an Cyndia und den Alibri Verlag, die mir dieses wundervolle Buch zugesandt haben!

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Bilderbücher Kinderbücher Kinderbücher 0-3 Jahre Pappbilderbücher Rezensionen Sachbücher für Kinder

Nico Sternbaum: “Hilf den Fahrzeugen – Ein MINI-Mitmachbuch”

Nico Sternbaum (Autor)
Penguin Junior Verlag
Lesealter: ab 18 Monate
22 Seiten
Pappbilderbuch: 7,99 €

Die Fahrzeuge brauchen dringend deine Hilfe!

Oje, die Polizei hat vergessen, das Blaulicht einzuschalten! Durch Rufen, Zeigen, Pusten oder Schütteln des Buchs hilfst du den Fahrzeugen und sie können sicher weiterfahren. (Klappentext)

Mitmachen statt nur Zuschauen – ein erstes Fahrzeugbuch zum Aktivwerden

„Hilf den Fahrzeugen“ ist ein sehr reduziertes, aber bewusst gestaltetes Mitmachbuch für die ganz Kleinen. Hier passiert nichts von selbst: Es gibt keine Klappen, keine Schieber, keine Soundknöpfe. Stattdessen fordert das Buch die Kinder direkt auf, selbst aktiv zu werden – zu pusten, zu zeigen, zu rufen oder das Buch zu schütteln. Genau darin liegt auch seine Stärke.

Die Situationen sind klar und schnell erfasst. Ein Blaulicht ist aus, ein Fahrzeug steckt fest, etwas funktioniert nicht so, wie es soll. Die Aufgabe des Kindes besteht darin, mit einer einfachen Handlung zu helfen. Das ist für Kinder ab etwa 18 Monaten gut verständlich und sorgt dafür, dass sie nicht nur zuhören, sondern wirklich eingebunden sind. Gerade für diese Altersgruppe ist das ein großer Pluspunkt, weil Aufmerksamkeitsspannen noch kurz sind und Beteiligung viel besser funktioniert als reines Vorlesen.

Die Illustrationen sind sehr minimalistisch gehalten. Fahrzeuge, wenige Elemente, klare Farben, keine überladenen Hintergründe. Der Fokus liegt eindeutig auf dem Problem und der Aktion. Das wirkt ruhig und übersichtlich und überfordert nicht. Kinder wissen sofort, worum es geht, und können sich ganz auf die Aufgabe konzentrieren. Mir gefällt diese Reduktion sehr, auch wenn sie natürlich Geschmackssache ist.

Inhaltlich darf man keine Geschichte im klassischen Sinn erwarten. Es gibt keinen Spannungsbogen und keine Entwicklung, sondern mehrere kurze Mitmachmomente. Das Buch lebt davon, dass es gemeinsam gelesen und gespielt wird. Erwachsene müssen mitmachen, mitsprechen und die Aktionen begleiten. Allein angeschaut verliert es schnell an Reiz.

Das handliche Mini-Format passt gut zu kleinen Händen und macht das Buch auch unterwegs praktikabel. Insgesamt ist „Hilf den Fahrzeugen“ kein Buch für lange Vorlesezeiten, sondern für kurze, aktive Momente. Als erstes Mitmachbuch erfüllt es seinen Zweck sehr gut. Es animiert zum Sprechen, Mitdenken und Mitlachen, ist schlicht, klar und altersgerecht.

Vielen lieben Dank an vorablesen.de und Penguin Junior für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

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Liebesromane Rezensionen Romane

Laura Wood: “Let’s make a Scene”

Laura Wood (Autorin)
Heyne Verlag
560 Seiten
Gebundenes Buch: 17,00 €

Ihre Liebesgeschichte steht im Drehbuch, aber die Chemie zwischen ihnen ist echt.

Vor dreizehn Jahren spielten Cynthie und Jack in einem Regency-Drama “A Lady of Quality” ihre ersten Rollen. Am Set flogen die Fetzen, aber vor den Kameras war ihre Chemie so prickelnd, dass sie auf der Promotour für den Film eine Beziehung vorspielen mussten. Inzwischen ist Cynthie eine Oscar-nominierte Schauspielerin und Jack der Star in einem Vampirdrama. Doch ihr Film von damals hat Kultstatus erreicht. Die Fans wünschen sich eine Fortsetzung und das Studio möchte diesen Wunsch erfüllen. Für zwölf Wochen treffen sich Cast und Crew von damals wieder, begleitet von einem Dokumentationsteam. Cynthie und Jack sind nicht begeistert. Doch was, wenn die Gefühle zwischen ihnen plötzlich alles andere als gespielt sind? (Klappentext)

RomCom mit Second-Chance und Fake-Dating

Dreizehn Jahre Funkstille, ein Film mit Kultstatus und dann ausgerechnet die Idee, genau diesen noch einmal fortzusetzen. Für Cynthie und Jack ist das weniger nostalgisch als unerquicklich. Beide haben ihr Leben längst neu sortiert, Karrieren aufgebaut, sich voneinander entfernt. Und nun sollen sie nicht nur wieder zusammenarbeiten, sondern der Öffentlichkeit auch noch eine Geschichte verkaufen, die für sie selbst nie wirklich abgeschlossen war.

Let’s Make a Scene beginnt deshalb nicht mit Romantik und Herzklopfen. Cynthie und Jack wollen einander eigentlich nur aus dem Weg gehen. Alte Kränkungen, unausgesprochene Vorwürfe und eine Menge verletzter Eitelkeit liegen zwischen ihnen. Dass sie beide heute erfolgreiche Schauspieler sind, macht die Situation nicht leichter. Im Gegenteil. Beide wissen genau, wie man sich schützt, wie man kontrolliert und was nach außen dringen darf.

Die Geschichte springt zwischen früher und heute, was gut gewählt ist. Die Rückblicke erklären nicht alles, aber sie geben genug Kontext, um die Spannungen der Gegenwart nachvollziehbar zu machen. Es wird deutlich, dass das damalige Chaos nicht einfach ein Missverständnis war, das man mit ein paar ehrlichen Worten hätte auflösen können. Die Beziehung war schon damals kompliziert, geprägt von Konkurrenz, Erwartungsdruck und Rollen, die ihnen von außen zugeschrieben wurden.

Besonders überzeugend fand ich, dass sich die Annäherung der beiden Zeit lässt. Es gibt kein abruptes Umschlagen von Abneigung in Leidenschaft. Stattdessen entstehen kleine, vorsichtige Momente. Gespräche, die länger dauern als geplant. Situationen, in denen alte Muster kurz aussetzen. Genau dadurch wirkt die Entwicklung glaubwürdig.

Das Filmset ist dabei mehr als nur eine glamouröse Kulisse. Laura Wood zeigt sehr klar, wie stark Inszenierung und Vermarktung das Leben von Schauspielerinnen und Schauspielern bestimmen. Gerade aus Cynthies Perspektive wird spürbar, wie anstrengend es ist, ständig eine Version von sich selbst präsentieren zu müssen, die Erwartungen erfüllt. Auch Themen wie Machtverhältnisse, Grenzüberschreitungen und öffentliche Zuschreibungen fließen ein.

An Humor fehlt es trotzdem nicht. Die Dialoge sind pointiert, manchmal bissig, manchmal auch etwas leiser. Die Nebenfiguren bringen Leichtigkeit hinein und sorgen für dieses angenehme Gefühl von Gemeinschaft, das man sich in einer RomCom wünscht. Der Spice ist da, aber dezent. Die Szenen ergeben sich aus der emotionalen Entwicklung und wirken nicht wie ein Pflichtprogramm.

Ganz ohne Kritik komme ich nicht aus. An einigen Stellen hätte der Geschichte ein etwas strafferes Tempo gutgetan. Außerdem taucht das klassische Problem der mangelnden Kommunikation zwischen den Hauptfiguren derart häufig auf, dass es stellenweise echt für Frust sorgt.

Unterm Strich ist Let’s Make a Scene eine romantische Komödie, die mehr zu bieten hat als ihre bekannten Themen wie Fake Dating, Second Chance und Hollywood-Setting. Im Mittelpunkt stehen zwei Menschen, die sich ihrer Vergangenheit stellen müssen, bevor sie entscheiden können, ob es für sie eine Zukunft gibt. Eine überraschend unterhaltsame Geschichte.

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Fantasy Kinderbücher Kinderbücher ab 10 Jahre Märchen Natur Rezensionen

Skye McKenna: “Cassandra Morgan – Der goldene Schlüssel”(Band 1)

Skye McKenna (Autorin)
Viktoria Gavrilenko (Illustratorin)
Ravensburger Verlag
Lesealter: ab 10 Jahren
416 Seiten
Gebundenes Buch: 15,99€

Mächtige Hexen schützen England vor den fantastischen Wesen aus dem Land Faerie. Doch hüte dich davor, den Wald zwischen den Reichen zu betreten …
Cassandra Morgan hat es geahnt: Die Geschichten in ihren Büchern sind nicht nur Märchen. Was sie jedoch nicht wusste: Sie gehört einer Familie von Hexen an. Mit dem Umzug nach Hartwood Hall, in das Haus ihrer Tante, beginnt für Cassandra ein Leben voller Magie. Sie findet jedoch schnell heraus, dass sie das einzige Verbot, das ihre Tante ausgesprochen hat, übertreten muss, wenn sie ihre verschollene Mutter wiederfinden will: Sie muss in den gefährlichen Wald an der Grenze zum Land Faerie …
(Klappentext)

Fantasy für Jung und Alt

Cassandra Morgan startet nicht gerade mit Rückenwind ins Leben. Ein trostloses Internat, eine Mutter, die seit Jahren verschwunden ist, und dann auch noch die Nachricht, dass sie offiziell für tot erklärt wurde. Als Cassandra kurz davorsteht, im nächsten Waisenhaus zu landen, bleibt ihr nur die Flucht – und ein merkwürdiger Schlüssel, den ihre Mutter ihr einst anvertraut hat. Ab diesem Moment kippt die Geschichte sehr schnell von realistischer Tristesse in eine Welt, in der Märchen ziemlich reale Gefahren bergen.

Der Umzug nach Hartwood Hall zu Tante Miranda bringt zwar ein Dach über dem Kopf, aber keine Geborgenheit. Miranda ist kühl, streng und Hexe mit klaren Regeln. Die wichtigste davon lautet, den Wald zwischen den Welten nicht zu betreten. Dass Cassandra genau dieses Verbot missachtet, ist wenig überraschend, schließlich treibt sie die Suche nach ihrer Mutter an, und Antworten scheint es nur jenseits der Grenze zu geben.

Der Wald, der an Faerie grenzt, ist düster, unberechenbar und bevölkert von Wesen, bei denen man nie sicher sein kann, ob sie helfen oder schaden wollen. Goblins, sprechende Tiere, seltsame Wächter und uralte Magie sorgen dafür, dass jede Begegnung eine gewisse Spannung mit sich bringt.

Cassandra selbst ist keine makellos schillernde Heldin, die auf Anhieb als begabte Hexe brilliert. Sie handelt oft impulsiv, ignoriert Warnungen und bringt sich wiederholt in Gefahr. Aber das passt zu ihrer Situation: Sie ist allein, verzweifelt und klammert sich an die Hoffnung, ihre Mutter zu finden. Aber sie ist auch loyal, offenherzig und eine gute Freundin.

Die Geschichte wird von zahlreichen Nebenfiguren besiedelt, die aber nicht alle gleich stark ausgearbeitet sind. Tante Miranda bleibt lange schwer greifbar. Ihr Verhalten wirkt distanziert, teilweise sogar herzlos, und erst spät bekommt man eine Ahnung davon, was sie innerlich bewegt. Das sorgt für Reibung, lässt aber auch Fragen offen. Deutlich wärmer fallen die Freundschaften aus, die Cassandra im Laufe der Geschichte knüpft – allen voran zu Rue.

Der Plot hält einige Wendungen bereit, die man nicht kommen sieht. Intrigen, falsches Vertrauen und moralisch fragwürdige Entscheidungen spielen eine größere Rolle, als man es von einer Fantasygeschichte ab zehn Jahren vielleicht erwarten würde. Gleichzeitig bleiben manche Aspekte bewusst vage. Über Faerie selbst erfährt man nur bruchstückhaft etwas, was klar neugierig macht, aber auch ein wenig unbefriedigt zurücklässt.

Auch handwerklich ist das Buch auf junge Vielleser:innen zugeschnitten: kurze Kapitel, große Schrift und eine klare Struktur sorgen dafür, dass sich die rund 400 Seiten erstaunlich flott lesen. Die Ausstattung ist hochwertig, mit verziertem Cover, bedrucktem Buchschnitt und kleinen Illustrationen zu Kapitelbeginn, die gut zur Stimmung passen.

„Der goldene Schlüssel“ ist ein spannender Auftakt. Die Geschichte hat Ecken und Kanten, lässt bewusst Fragen offen und traut sich, ihre junge Protagonistin Fehler machen zu lassen. Wer Geschichten über Hexen, geheimnisvolle Wälder, ungelöste Familienrätsel und Mut mag, wird hier gut abgeholt. Ich bin sooooo neugierig auf das, was Cassandra als Nächstes erwartet.

Ein herziges Dankeschön an den Verlag und Grüße an die Leserunde auf LovelyBooks!

Auf Nachschub muss man zum Glück nicht lange warten

Band 2 erscheint am 1. März 2026

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Bilderbücher Kinderbücher Kinderbücher 0-3 Jahre Klappenbücher Pappbilderbücher Rezensionen Sachbücher für Kinder

Wieso? Weshalb? Warum? – Mein erstes Fahrrad

Carola von Kessel (Autorin)
Susanne Szesny (Illustratorin)
Ravensburger Verlag
Lesealter: ab 2 Jahre
16 Seiten
Spiralbindung: 11,99€
Spielerisch Fahrradfahren lernen

Fahrradfahren lernen ist kein einmaliger Moment, sondern ein Prozess. Einer mit vielen kleinen Erfolgen, vielleicht sogar ein paar Tränen, schmutzigen Knien und natürlich sehr vielen Fragen. Genau in dieser Phase setzt Wieso? Weshalb? Warum? junior – Mein erstes Fahrrad an. Und zwar nicht theoretisch, sondern sehr nah an dem, was Kinder und Eltern tatsächlich erleben.

Das Buch begleitet Kinder Schritt für Schritt durch alles, was rund ums erste Fahrrad wichtig wird. Nicht abstrakt, sondern konkret: Wie sieht ein passendes Fahrrad aus? Warum brauche ich einen Helm? Was mache ich, wenn ich hinfalle? Wie starte ich überhaupt richtig? Beim Lesen merkt man schnell, dass hier jemand genau beobachtet hat, wie Kinder lernen und wo Unsicherheiten entstehen. Viele Situationen kommen einem sofort bekannt vor. Besonders dann, wenn man gerade selbst ein Kind beim Üben begleitet.

Sehr gelungen finde ich, wie das Thema Sicherheit vermittelt wird. Helm, Licht, Bremsen und Aufmerksamkeit im Straßenverkehr werden erklärt, ohne Angst zu erzeugen. Es geht nicht um Warnungen, sondern um Verständnis. Kinder erfahren, warum etwas wichtig ist, nicht nur, dass es so sein muss. Das wirkt ernsthaft und respektvoll gegenüber der kindlichen Perspektive.

Auch die motorischen Abläufe werden klar dargestellt. Anfahren, Treten, Lenken, Kurven fahren oder Slalom üben. All das wird in kleinen, überschaubaren Schritten gezeigt. Gerade für Kinder, die sich schnell verunsichern lassen, ist das hilfreich. Sie sehen: Man muss nicht alles auf einmal können. Übung gehört dazu. Und wenn man hinfällt, darf man wieder aufsteigen.

Die vielen Klappen sind sinnvoll eingesetzt. Sie zeigen Bewegungen, Veränderungen und Abläufe und laden dazu ein, genauer hinzusehen. Das Buch eignet sich dadurch nicht nur zum Vorlesen, sondern auch zum gemeinsamen Anschauen, Nachfragen und Erklären.

Das Buch spricht auch darüber, dass ein Fahrrad gepflegt werden will: Reifen aufpumpen, sauber machen, darauf achten, ob alles funktioniert. Für Kinder ist das oft ein wichtiger Schritt, weil es ihnen zeigt, dass ihr Fahrrad etwas Eigenes ist, um das sie sich kümmern dürfen und sollten.

Die Illustrationen sind klar, freundlich und kindlich. Sie überfordern nicht, sondern helfen beim Verstehen. Besonders schön ist das große Wimmelbild am Ende, in dem verschiedene Fahrzeuge entdeckt werden können. Das erweitert den Blick über das eigene Fahrrad hinaus und lädt zum Erzählen und Suchen ein.

Für Kinder, die noch gar kein Interesse am Fahrrad haben, könnte es allerdings stellenweise zu viel Information sein. Für alle, die gerade mitten im Lernprozess stecken, ist genau das aber die große Stärke. Man kann einzelne Punkte aus dem Buch aufgreifen und sich anschauen. Als reines Vorlesebuch ist es weniger geeignet. Es gibt zwar wiederkehrende Figuren, aber eben nicht den klassischen Spannungsbogen.

Unterm Strich ist Mein erstes Fahrrad ein begleitendes und sehr hilfreiches Sachbuch. Es beantwortet viele Fragen, bevor sie laut gestellt werden, und nimmt Kindern wie Eltern ein Stück Druck aus einer Phase, die aufregend, aber manchmal auch anstrengend sein kann.

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Detektive Kinderbücher Kinderbücher ab 10 Jahre Natur Rezensionen

Beate Dölling: “Das schwarze Huhn von Hohenbutzen”

Beate Dölling (Autorin)
Tine Schulz (Illustratorin)
Tulipan Verlag
Lesealter: ab 10 Jahre
192 Seiten
Gebundenes Buch: 16,00€

Ein spektakulärer Diamantenraub hält das beschauliche Dorf Hohenbutzen in Atem. Der Sohn der alten Rabenschlag wurde mit der Beute geschnappt. Wundern tut das niemanden, denn der ist ja schon immer ein eigenartiger Kauz gewesen. Und seine Mutter erst – eindeutig eine Hexe! Milena und ihre Geschwister, die in Hohenbutzen einen Ökourlaub ohne Strom und fließendes Wasser verbringen wollen, finden das alles mehr als spannend! Was, wenn sie den immer noch vermissten Diamanten finden würden, der ein Vermögen wert sein soll? Sie ahnen nicht, dass sie bald schon mitten hinein geraten in das Geschehen und einer hundsgemeinen Intrige auf die Spur kommen. (Klappentext)

Ein moderner Kinderkrimi mit Herz, Witz und wichtigen Themen

Das schwarze Huhn von Hohenbutzen ist eine Detektivgeschichte, die mit Witz, Tempo und einem modernen Blick erzählt wird. Statt Großstadt und Hightech gibt’s ein Ökohaus ohne Strom, ein verschwundenes Juwel und ein schwarzes Huhn, das es in sich hat.

Milena und ihre Geschwister Bruno und Catia verbringen ihre Ferien in Hohenbutzen, einem Dorf, das so ruhig wirkt, dass kaum jemand an einen echten Kriminalfall glauben würde. Doch dann verschwindet ein wertvoller Diamant und plötzlich scheint die Beschaulichkeit sehr trügersich. Herr von Kniebeltreu, der örtliche Geschäftsmann, wittert seine Chance: Er will das Land der alten Frau Rabenschlag kaufen, die mit ihrem schwarzen Huhn Lilo in einer kleinen Butze lebt – angeblich eine Hexe, sagen die Dorfbewohner. Schon bald merken Milena und ihre Freunde, dass mehr hinter der Geschichte steckt, als Gerede und Aberglaube.

Beate Dölling hat ein gutes Gespür für Kinderfiguren. Ihre Dialoge klingen natürlich, die Dynamik zwischen den Geschwistern ist echt und Catia mit Down-Syndrom ist wunderbar unaufgeregt integriert. Sie ist kein „besonderer Fall“, sondern einfach ein Teil der Familie. Sie ist neugierig, schlagfertig und mutig. Überhaupt gelingt es Dölling, Themen wie Inklusion, Klimaschutz oder Identität ganz selbstverständlich einzubauen. Wenn die Kinder über alternative Energieformen oder über Transgender sprechen, wirkt das weder erzwungen noch pädagogisch, sondern so, wie Kinder heute eben sprechen.

Der Krimiteil bleibt dabei spannend und leichtfüßig. Das Tempo stimmt, die Auflösung ist überraschend und Huhn Lilo sorgt für genau die richtige Portion Absurdität. Herr von Kniebeltreu als Gegenspieler ist wunderbar überzeichnet, gierig und skrupellos, wie man es in einem Kinderkrimi gern hat.

Besonders schön ist die Haltung, die das Buch vermittelt: dass man Dinge hinterfragen darf, statt einfach zu glauben, was andere sagen. Und dass es manchmal Mut braucht, um zu erkennen, wer hier eigentlich ein „komisches Huhn“ ist.

Insgesamt ist dieses Buch witzig, modern und voller Leben. Es verbindet einen unterhaltsamen Kriminalfall mit Themen, die Kinder wirklich beschäftigen. Ein Buch, das zeigt, dass gute Geschichten Haltung haben dürfen und nicht zwangsläufig schwer im Magen liegen.

Vielen lieben Dank an den Tulipan Verlag, der uns dieses Buch zu Rezensionszwecken überlassen hat!

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Bilderbücher Kinderbücher Kinderbücher ab 4 Jahre Literaturklassiker für Kinder Märchen Rezensionen Soundbücher Uncategorized

Engelbert Humperdinck: “Hänsel und Gretel: Ein Musik-Bilderbuch zum Hören”

Jessica Courtney-Tickle (Autorin/ Illustratorin)
Prestel Verlag
Lesealter: ab 4 Jahre
24 Seiten
Gebundenes Buch: 26,00€

Die geliebte Kinderoper als Musikbilderbuch

Mit der romantischen Oper »Hänsel und Gretel« schuf Engelbert Humperdinck die wohl bekannteste Märchenoper. Bis heute ist sie die meistgespielte Oper und wird besonders häufig in der Adventszeit aufgeführt. Kinder (und Erwachsene) lieben die märchenhafte Oper, die auf dem bekannten Grimmschen Märchen basiert, vor allem wegen ihrer schönen und eingängigen Melodien. Wer erinnert sich nicht an die geliebten Ohrwürmer »Suse, liebe Suse, was raschelt im Stroh?«, »Brüderchen, komm tanz mit mir«, den gefühlvollen »Abendsegen« und das »Knusper, knusper Knäuschen, wer knuspert mir am Häuschen« der bösen Hexe? Mit ihren bezaubernden Illustrationen erzählt Jessica Courtney-Tickle die Geschichte von Hänsel und Gretel sehr liebevoll nach, sodass auch jüngere Kinder sie verstehen können. Auf jeder Seite findet sich dabei ein Notenzeichen, und wer darauf drückt, hört die allerschönsten Melodien zum jeweiligen Bild. Das Buch bietet einen perfekten Einstieg in die Welt der klassischen Musik und ist die perfekte Ergänzung zu den anderen Titeln der beliebten Reihe wie »Der Nussknacker«, »Peter und der Wolf« oder »Schwanensee«.Besonders hochwertig ausgestattet mit Goldfolienprägung auf dem Einband. (Klappentext)

Stimmiges Gesamtpaket aus Kunst, Klang und klassischer Erzählfreude

Die Prestel-Reihe der Musik-Bilderbücher hat sich längst zu einer kleinen Institution entwickelt, wenn es darum geht, Kindern klassische Musik nahezubringen, ohne dass sie dabei das Gefühl haben, in einem Konzertsaal stillsitzen zu müssen. Nun also Engelbert Humperdincks „Hänsel und Gretel“ – und das in einer Version, die zeigt, dass man Oper auch mit vier Jahren schon genießen kann, wenn man die richtige Verpackung wählt.

Das Buch erzählt die bekannte Geschichte um die Geschwister Hänsel und Gretel, die sich im Wald verirren, das Lebkuchenhaus entdecken und der listigen Hexe begegnen – so reduziert und liebevoll, dass auch jüngere Kinder der Handlung problemlos folgen können. Die Sprache bleibt klar und verständlich und Jessica Courtney-Tickles farbenfrohe Illustrationen schaffen es, das Märchen in eine warme, leuchtende Herbststimmung zu tauchen. Es gibt so viel zu entdecken. Von winzigen Waldtieren bis zu kunstvollen Mustern auf dem Hexenhaus. Besonders die goldene Folienprägung auf dem Cover sorgt dafür, dass das Buch schon rein optisch ein echter Hingucker ist.

Der Clou liegt natürlich in der Musik. Auf jeder Doppelseite findet sich eine kleine Note, die Kinder antippen können – und schon erklingt ein Ausschnitt aus Humperdincks Oper. Klassiker wie „Brüderchen, komm tanz mit mir“, der „Abendsegen“ oder das berühmte „Knusper, knusper Knäuschen“ sind hier in (sehr) kurzen Sequenzen eingebunden. Die Soundqualität ist okay für ein Bilderbuchmodul. Nur jüngere Kinder brauchen anfangs etwas Hilfe beim Drücken – die Noten reagieren besser, wenn man mit etwas Nachdruck tippt.

Ich finde das Gesamtpaket in Bezug auf die Zielgruppe wirklich stimmig. Statt langer Erklärtexte oder angestaubter Musikvermittlung entsteht ein ganz natürliches Zusammenspiel aus Bild, Geschichte und Klang. Kinder erleben die Musik nicht als „etwas Schwieriges“, bei dem man lange stillsitzen und zuhören muss, sondern als Teil des Abenteuers. Die Musikstücke werden zwar nur kurz angerissen, aber als erster Kontakt zur Oper ist es für Kinder völlig ausreichend, zumal Bild und Handlung in diesem Buch auch sehr präsent sind.

Einziger kleiner Kritikpunkt meinerseits: Das Buch ist – wie alle Titel der Reihe – kein Pappbilderbuch, sondern besteht aus nicht reißfestem Papier. Bei sehr kleinen, übereifrigen Kinderhänden ist daher Vorsicht geboten.

Aber das sind Kleinigkeiten in einem sonst hervorragend durchdachten Konzept. „Hänsel und Gretel“ ist ein stimmiges Gesamtpaket aus Kunst, Klang und klassischer Erzählfreude. Für uns ist es ein liebevoll gestaltetes Musikbilderbuch, das Oper greifbar macht. Perfekt für kleine Musikentdecker. Und ja – danach hat man wirklich Lust auf Lebkuchen.

Ein liebevolles Dankeschön an den Prestel Verlag, der uns dieses wunderbare Buch zu Rezensionszwecken zugestellt hat!

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Kinderbücher ab 8 Jahre Ratgeber Rezensionen Sachbücher für Kinder

Wouter de Jong: “Dein Kopf, der Superheld

Wouter de Jong (Autor)
Hein de Kort (Illustrator)
Baumhaus Verlag
Lesealter: ab 8 Jahren
160 Seiten
Gebundenes Buch: 16,00€

Wenn das Leben ein Spiel ist, ist dein Kopf der Controller.

Wecke die Superkräfte in dir! Denn in diesem Buch erfährst du nicht nur, wie dein Kopf und dein Geist funktionieren, sondern auch, welche Superkräfte in dir stecken. Lerne, den Sorgenknopf auszuschalten, bündle deine Aufmerksamkeit wie einen Laserstrahl, entdecke die Geheimwaffe der Freundlichkeit und finde heraus, wie du das Bildschirmmonster besiegst! Als echter Superheld kannst du dich endlich gegen Mobbing und fiese Typen wehren und traust dich Dinge, die du vorher vielleicht nie gewagt hättest …

Mit coolen Experimenten, interessanten Fakten und Geschichten, witzigen Zeichnungen von Hein de Kort und vielen Challenges, die du auch zusammen mit deinen Eltern machen kannst. (Klappentext)

Anspruchsvolles Aktivbuch für mentale Stärke

Dein Kopf, der Superheld ist kein klassisches Kinderbuch, das man abends im Bett liest oder vorliest. Es möchte Kinder dazu bringen, sich selbst zu reflektieren, Gedanken, Gefühle und das, was im Kopf passiert, wenn man Angst hat, wütend wird oder sich überfordert fühlt. Dieses Buch will zeigen, dass man lernen kann, mit all diesen Dingen umzugehen. Ein sehr starkes Konzept, mit starkem Inhalt.

Wouter de Jong versucht, jungen Leser:innen auf spielerische Weise mentale Stärke zu vermitteln. Der Ansatz ist modern und inhaltlich wirklich durchdacht. Die Kinder sollen lernen, wie sie mit Ärger, Scham oder Angst umgehen können, was sie gegen Ablenkung oder Selbstzweifel tun können und warum Freundlichkeit tatsächlich eine Art „Superkraft“ ist. Die Idee, diese Themen unter dem Bild eines Superhelden zu bündeln, ist clever. Sie spricht an, verzichtet aber auf einen moralischen Unterton.

Gestaltung und Struktur sind allerdings Geschmackssache. Das Buch will Aufmerksamkeit binden, was durchaus gelingt, aber auf Kosten der Übersichtlichkeit. Auf manchen Seiten konkurrieren Illustrationen, Textfelder und Aufgaben so sehr miteinander, dass man kaum weiß, wo man zuerst hinschauen soll. Ich verstehe, dass dieses Design Jugendliche ansprechen soll, aber es wirkt stellenweise eher überladen. Für Kinder, die ohnehin Schwierigkeiten mit Konzentration oder Struktur haben, kann das schnell anstrengend werden.

Inhaltlich bietet das Buch eine erstaunliche Bandbreite. Die Kapitel behandeln Themen wie Achtsamkeit, Gewohnheiten, Ehrlichkeit, Wut oder Traurigkeit. Also Bereiche, die in vielen Familien und Schulen selten so offen besprochen werden. Das ist wertvoll, weil es Kindern Ausdruck für ihre Gefühle anbietet. Gleichzeitig ist der Umfang groß: 15 Kapitel mit Übungen, Selbstreflexionen und Aufgaben, die teils aufeinander aufbauen. Ohne Unterstützung eines Erwachsenen ist das kaum zu bewältigen.

Aus pädagogischer Sicht hat das Buch damit zwei Gesichter. Einerseits kann es ein hervorragendes Werkzeug sein – gerade für Kinder, die schon therapeutisch begleitet werden oder in der Schule mit sozial-emotionalem Lernen in Berührung kommen. Es gibt gute Impulse, um ins Gespräch zu kommen, und viele Übungen, die tatsächlich Wirkung entfalten können. Andererseits ist es kein „Selbsthilfebuch für Kinder“. Ohne Einordnung und Begleitung kann es überfordern, gerade weil es tief in Themen vordringt, die emotional komplex sind.

Mir gefällt die Haltung, die das Buch vermittelt: Jeder Mensch hat Einfluss auf seine Gedanken und Gefühle. Man kann lernen, mit sich selbst freundlicher umzugehen. Und Schwächen nichts sind, was man verstecken muss. Das sind starke Botschaften. Nur wäre weniger visuelle Reizüberflutung und mehr Raum für Ruhe und Reflexion hier vielleicht hilfreicher gewesen.

Zusammengefasst ist es ein modernes, inhaltlich ambitioniertes Buch, das Kindern und Eltern viele wichtige Themen zugänglich macht, von Gefühlen bis Selbstwirksamkeit. Pädagogisch wertvoll, aber anspruchsvoll in Struktur und Gestaltung. Kein Buch zum Alleinlesen, sondern eines, das im besten Fall begleitet, erklärt und gemeinsam entdeckt wird.

Kennst du schon?

Schaut doch direkt mal bei der Baumhausbande vorbei. Dort findet ihr unglaublich viele Begleitmaterialen zum Buch “Dein Kopf der Superheld”, Bastelanleitungen, Übungen, Gewinnspiele und und und…

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Fantasy Kinderbücher Kinderbücher ab 10 Jahre Rezensionen

Jordan Lees: “Whisperwicks – Die Suche nach den Flüsterflammen”

Jordan Lees (Autor)
Vivienne To (Illustratorin)
Penguin Junior Verlag
Lesealter: ab 9 Jahre
480 Seiten
Gebundenes Buch: 17,00€

“Alles begann mit dem Riss in der Wand …

Benjamiah liebt es, seiner Oma in der Buchhandlung auszuhelfen. Er glaubt an Wissenschaft, Logik und die Macht der Vernunft. Er glaubt nicht an Magie. Doch als er mit der Post ein mysteriöses Geschenk erhält, wird er in die Parallelwelt von Winkelwald geführt, wo sich dunkle Geheimnisse in einem riesigen Straßenlabyrinth verbergen, aus dem es kein Entkommen gibt. Zusammen mit Elizabella, von deren Vater er in dem fremden Ort aufgenommen wird, nimmt er eine Reihe von magischen Prüfungen auf sich, um das Verschwinden ihres Zwillingsbruders aufzuklären. Er hofft dabei, mit Hilfe der Flüsterflammen selbst einen Weg aus Winkelwald zurück nach Hause zu finden. Vor Elizabella und Ben liegt eine gefährliche Suche nach der Wahrheit. (Klappentext)

Eine kluge und ein bisschen unheimliche Fantasygeschichte

Whisperwicks ist eine Geschichte, die etwas Zeit braucht, um sich zu entfalten und eventuell auch, um zu fesseln. Benjamiah Creek (ständig bin ich über diesen und andere Namen gestolpert) ist kein klassischer Heldentyp. Er glaubt an Logik, Wissenschaft und Beweise, nicht an Zauberei oder unerklärliche Dinge. Umso größer ist sein Erstaunen, als er in die Parallelwelt Winkelwald gerät.

Winkelwald ist eine merkwürdige, teils düstere Welt. Sie erinnert ein bisschen an ein viktorianisches Labyrinth aus Licht und Schatten, in dem jedes Geräusch zu viel bedeutet und jede Abzweigung ein neues Geheimnis birgt. Jordan Lees hat eine Atmosphäre geschaffen, die einen sofort gefangen nimmt, aber nicht durch laute Effekte, sondern durch das leise Unbehagen, das zwischen den Zeilen mitschwingt. Man spürt förmlich, dass in dieser Welt etwas nicht stimmt.

Die Figuren sind glaubwürdig und vielschichtig. Benjamiah ist neugierig, etwas unbeholfen, aber sehr sympathisch. Er will verstehen, nicht einfach glauben, und genau das bringt ihn ständig in Schwierigkeiten. Elizabella (noch so ein Name), die ihn zunächst abweisend behandelt, zeigt schnell, dass hinter ihrer Schroffheit Verletzlichkeit steckt. Ihre Gegensätze sorgen für Reibung, aber auch für Entwicklung. Vor allem ihre Freundschaft wächst sehr natürlich.

Inhaltlich balanciert das Buch geschickt zwischen Abenteuer und Nachdenklichkeit. Es geht um Mut, um Vertrauen, aber auch um die Frage, was wir für „wahr“ halten. Benjamiah, der sich so sehr an Fakten klammert, muss lernen, dass Wissen und Intuition sich nicht ausschließen.

Das Erzähltempo bleibt ausgeglichen ruhig, stellenweise für meinen Geschmack leider auch ein bisschen zäh. Lees schreibt bildhaft und lässt manches Geheimnis bewusst offen, um die Spannung zu erhöhen. Für mich hätte der Erzählfluss ruhig etwas dichter sein können. Die wenigen Illustrationen sind aber gut gewählt und unterstützen die Stimmung.

Für Kinder ab etwa elf Jahren ist das Buch eine anspruchsvolle, aber lohnende Lektüre. Wer klassische Abenteuer mag, wird hier vielleicht überrascht sein. Whisperwicks ist komplexer, leiser und stellenweise doch recht melancholisch. Gleichzeitig vermittelt es Hoffnung und Zusammenhalt.

Am Ende bleibt der Eindruck einer Geschichte, die viel größer wirkt, als sie erzählt wird. Whisperwicks ist ein schöner, atmosphärischer Reihenauftakt. Geheimnisvoll, ein bisschen unheimlich, aber mit viel Herzblut erzählt.

Ein riesengroßes Dankeschön an Penguin Junior und dieses magische Rezensionsexemplar!

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Bilderbücher Kinderbücher 0-3 Jahre Natur Pappbilderbücher Rezensionen

Annette Moser: “Jetzt schon? Schlummerzeit für kleine Tiere”

Annette Moser (Autorin)
Sonja Schweiger (Illustratorin)
Penguin Junior Verlag
Lesealter: ab 2 Jahre
16 Seiten
Pappbilderbuch: 11,00 €

Schlaft gut, kleine Tiere!

Max Meise, Ella Eichhörnchen, Samu Siebenschläfer und Franzi Fuchs spielen gerade so schön, da sollen sie ins Bett gehen. Jetzt schon? Die Mamas und Papas müssen Überzeugungsarbeit leisten, doch irgendwann schlummert auch das vorwitzigste Tierkind glücklich und zufrieden. (Klappentext)

Liebevoll illustrierte Schlummergeschichte

Ich habe mich auf dieses Buch wirklich gefreut. Schon das Cover ist so einladend in weichen Farben gehalten, mit niedlich gezeichneten Tierkindern. Der warme Lichtschein erinnert sofort an eine Abendstimmung, in der man sich am liebsten selbst in eine Decke kuscheln würde. Ein schöner Rahmen für ein gemütliches Abendritual. Und tatsächlich hält das Buch, was es verspricht – zumindest optisch.

Die Illustrationen von Sonja Schweiger sind wunderschön. Sie wirken fast, als würden sie von innen heraus leuchten. Jedes Bild strahlt Ruhe, Geborgenheit und Wärme aus. Besonders schön sind die vielen Details, die kleinen Leser:innen beim wiederholten Anschauen auffallen: winzige Insekten, versteckte Pilze, liebevoll eingerichtete Tierbehausungen. Ganz nebenbei lernen Kinder, wo ein Eichhörnchen schläft, wo sich ein Siebenschläfer einkuschelt oder wie das Nest einer Meise aussieht.

Inhaltlich begleitet man vier kleine Tierfreunde – Fuchs, Eichhörnchen, Siebenschläfer und Meise – durch ihren Tag. Sie spielen, haben Spaß und möchten, wie Kinder nun mal sind, nicht aufhören, als der Abend naht. Einer nach dem anderen wird von Mama oder Papa abgeholt und ins Bett gebracht. Und jedes Mal ertönt der kleine Protest: „Jetzt schon?“ Das ist charmant, liebevoll und für Kinder ab zwei Jahren wunderbar nachvollziehbar.

Was mich allerdings nicht ganz überzeugt hat, ist der Textfluss. Die Idee, kurze Reimpassagen einzubauen, ist schön, wirkt aber etwas unausgegoren. Es reimen sich immer nur zwei Verse, der Rest ist prosaisch erzählt. Das unterbricht beim Vorlesen den Rhythmus. Gerade kleine Zuhörer:innen reagieren stark auf Wiederholungen und Klangmuster. Hier fehlt ein durchgehender, harmonischer Sprachfluss, wie man ihn sich bei einer Einschlafgeschichte wünschen würde.

Insgesamt ist das Buch sehr ruhig. Es passiert nicht viel, was natürlich zum Thema passt, aber mir fehlte zwischendurch ein kleiner Spannungsbogen oder etwas, das die Aufmerksamkeit hält. Mein Kind hat beim Vorlesen mehrfach abgelenkt umgeblättert oder sich anderen Dingen zugewandt – ein Zeichen dafür, dass der Text nicht ganz fesselt.

Trotzdem: Für die Abendroutine ist das Buch schön geeignet. Es vermittelt Geborgenheit, Nähe und Vertrautheit. Wir finden, es ist ein warmherzig illustriertes Pappbilderbuch mit einer liebevollen Botschaft, textlich aber leider etwas unrund.

Vielen lieben Dank an Penguin Junior für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar!